Treffpunkt für geselliges Beisammensein
Nachdem im 16. Jahrhundert der Kaffee eingeführt wurde, eroberte er sich bald einen festen Platz im sozialen Leben. In Kaffeehäusern traf man sich zum geselligen Beisammensein, zum Erzählen, Musizieren und Rauchen. Viele Männer – nur ihnen ist der Besuch vorbehalten – treffen sich auch heute noch dort. Ein Café
kann Treffpunkt sowohl von heimwehkranken Provinzbewohnern als auch von Intellektuellen sein. Es gibt sogar eigene Cafés für Musiker.
Ein Café findet man in der Regel in der Nähe eines kleinen Platzes in den Seitenstraßen belebter Viertel. Ein Baum oder ein Weinstock spenden Schatten. Der jeweilige Geschmack des Besitzers drückt sich in einfacher, reich mit Kalligrafien und durch gemusterte Kacheln verzierter Ausstattung aus. Der Fußboden im
Außenbereich wird mit Wasser besprengt, um den Staub zu binden. Im Inneren werden Schmutz und verschüttete Getränke mit Sägemehl aufgesaugt, das normalerweise regelmäßig weggekehrt und erneuert wird.
Eine kunstvoll gearbeitete Sarabatina, eine Art Samowar, hat ihren Ehrenplatz auf der Theke. Dahinter reihen sich verschiedene Wasserpfeifen. Nach dem Besuch beim benachbarten Friseur lässt sich der Stammgast seine Pfeife schmecken und studiert in der Zeitung die Klatschspalten.
Jedoch hat der im 19. Jahrhundert eingeführte Tee dem Kaffee längst den Rang abgelaufen. Richtig zubereitet, ist er ein Allheilmittel, selbst an den heißesten, staubigsten und stressigsten Tagen. Die starke, ägyptische Variante des Tees ist allerdings gewöhnungsbedürftig.
Da vorwiegend billiger Teestaub verwendet wird, sollte man kein köstliches Aroma erwarten. Der Tee soll beleben und wird daher stark und süß getrunken. Folgen Sie besser dieser Landessitte, denn ohne Zucker ist er kaum genießbar. Oder Sie probieren einen Tee mit Minze – Tschai bina‘na.
Roter Hibiskus-Tee – Karkadee – ist eine Spezialität in Assuan und wird dort heiß oder kalt serviert. Anis-Tee – Jansun – beruhigt den Magen. Im Winter wird vor allem Sachlab getrunken, ein dampfendes, sahneartiges Getränk, das aus der Wurzel des kleinen Knabenkrauts gebraut und mit gehackten Nüssen garniert wird. Im Sommer werden erfrischende Getränke wie Limonensaft – Laymun –, Tamarindensaft – Tamrahindi – und andere Fruchtsäfte angeboten. Softdrinks sind natürlich auch zu haben.
Zum Besuch eines ägyptischen Cafés gehört auch das Rauchen einer Wasserpfeife – der Schischa. Sie sorgt für einen kühlen süßlichen und leichten Tabakgeschmack. Ihr Blubbern wirkt beruhigend. Die Wasserpfeife ist ein Meditationsmittel, das man entspannt genießen sollte. Zwei Tabakmischungen werden verwendet – Ma’assil, eine klebrige Mischung aus zerkleinerten, mit Melasse gegärten Blättern, sowie Tumbak, ein loser, trockener Tabak, der mit einem ganzen Blatt umwickelt und zu einem Kegel gedreht wird.
In jedem Café kann man sich mit Kartenspielen (Kutschina), Backgammon (Taula), Domino oder Dame die Zeit vertreiben. Ein Café besuchen Sie am besten am Nachmittag oder am Abend. Probieren Sie es auch einmal aus und genießen Sie das orientalische Flair Ihres Gastgeberlandes!
