„Wer das Gute in seiner eigenen Religion nicht findet, …
… wird es auch in anderen Religionen nicht finden.“
Arabisches Sprichwort
Die in Ägypten vorherrschende Religion ist der Islam mit etwa 72 Millionen Gläubigen. Die ägyptische Verfassung gewährt Glaubens- und Religionsfreiheit, erklärt jedoch gleichzeitig den Islam zur offiziellen Landesreligion. Die meisten Ägypter sind Muslime. Die größte religiöse Minderheit neben dem Islam bilden die Kopten mit ca. 10% der Bevölkerung. Der Begriff Kopte ist der griechischen Bezeichnung für die Ägypter – aigyptos – entlehnt und bezeichnet noch heute die christliche Glaubensgemeinschaft im Land am Nil.
Im 2. Jh. n.Chr. konvertierten viele Ägypter zum Christentum, doch bereits zwei Jahrhunderte später erfolgte der Bruch mit der orthodoxen Kirche. Die Abspaltung wurde sowohl durch die Streitfrage über die allgemeingültige Definition der Person Jesu als auch die Vormachtstellung über die Christenheit im Orient ausgelöst. Auch die Fremdbestimmung durch die theologischen Zentren Rom und Byzanz wurde mit Gewalt bekämpft.
Nach der arabisch-islamischen Eroberung Ägyptens seit dem 7. Jahrhundert nahm die Anzahl der Kopten stetig ab, seit Beginn des 16. Jahrhunderts sind sie eine Minderheit. Ein unauslöschliches Glaubenssymbol der Kopten ist ein tätowiertes Kreuz am rechten Handgelenk. Ägypten ist eines der wenigen Länder der Welt, in dem die Religionszugehörigkeit jeden Staatsbürgers im Personalausweis verzeichnet ist.
Die Religion spielt im Alltagsleben der Kopten nach wie vor eine große Rolle. Ehen zwischen Angehörigen unterschiedlicher Religionen und sogar anderen christlichen Glaubensrichtungen sind absolute Ausnahmen. In der Öffentlichkeit bemühen sich die Kopten um Zurückhaltung. Dennoch genießen sie als exzellente Fachleute im Finanzwesen und auch bei der Müllbeseitigung in der Hauptstadt Kairo einen guten Ruf.
Weniger bekannt als das islamische Kairo rund um Khan el Khalili, aber genauso sehenswert ist das koptische Viertel Misr El-Qadima mit zahlreichen koptischen Kirchen aus dem 3. bis 5. Jh. Die wohl bekannteste dieser Kirchen ist die Kirche El-Moallaka oder St. Maria, auch unter dem Namen „die Schwebende“ bekannt.
